Und erstens kommt es anders…

Bislang war ich der Meinung, dass der grüne Daumen einen (extra) großen Bogen um mich herum macht. So manche Pflanze hat unter meiner Obhut ihr Dasein schnell beendet. Meistens lag es am Wasser. Mal war es zu viel, mal war es zu wenig.

Meine Frau überzeugte mich, dass in meine Praxis auch Pflanzen gehören. Den Kauf tätigten wir gemeinsam. Sie sollten nicht nur dekorativ, sondern auch robust sein. Bei der Auswahl war mir meine Frau eine sehr große Hilfe. Ich überlegte, ob es so etwas wie ein Notfallset für Pflanzen gibt. Ich wäre durchaus bereit gewesen, es neben den Kasten für die Erste Hilfe in meinen Räumen zu montieren. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon als Stammkunde in sämtlichen Gartencentern in der Region. Immer bemüht, nach Pflanzen zu suchen, die meine Pflege aushalten.

Doch siehe da, es kam ganz anders. Alle Pflanzen, die wir kauften, leben noch. Und nicht nur das. Sie wachsen, treiben neue Blätter und einige benötigen bald einen größeren Topf. Nun könnte man denken, das Geschäft hat seine Ware mit einem guten Überlebenswillen ausgestattet. Selbst ein großer Teil der Pflanzen, die ich zur Praxiseröffnung von meinen Gästen geschenkt bekam, leben noch und erfreuen sich bester Pflanzengesundheit. Vor einigen Tagen merkte ich, dass meine Armenischen Traubenhyazinthen (Muscari armeniacum) anfingen, neue Blätter aus den Zwiebeln zu treiben.

Nach einem Blick ins Internet stellte ich fest, dass ich bezüglich der Pflege der Zwiebeln über den Sommer alles richtig gemacht hatte. Instinktiv. In Sachen Pflanzenpflege eine vollkommen neue Erfahrung für mich.

Manchmal kann es so einfach sein, alte Denkmuster beiseite zu legen und damit Platz für Neues zu schaffen. Mit Vertrauen in sich selbst kommen mitunter Kompetenzen ans Tageslicht, die bislang im Verborgenen schlummerten. Da darf man sich auch ruhig einmal belohnen. Ich fahre dann mal ins Gartencenter…

Herzliche Grüße

Matthias Munk

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